Zahnfleischprobleme in der Schwangerschaft vermeiden

Siebenfaches Risiko einer Frühgeburt

Schwangere Frauen entwickeln häufig eine Form der Schwangerschafts-Gingivitis. Der Grund dafür ist die Veränderung verschiedener Hormonspiegel im Körper während der Schwangerschaft. Die Gefäße des Zahnfleisches und der Mundschleimhaut werden erweitert und das Gewebe wird durchlässiger.

Diese erhöhte Durchlässigkeit des Zahnfleisches ist verantwortlich dafür, dass während der Schwangerschaft bereits geringe Mengen von Plaque im Bereich des Zahnfleischsaumes zu Entzündungen führen können. Forscher fanden im Fruchtwasser exakt dieselben Bakterien wie im Mundraum der an Parodontitis erkrankten Mutter. Die Plazenta gibt dem Ungeborenen also keinen absoluten Schutz gegen Bakterien und Viren. Wenn die Schädlinge die Plazenta erreichen und damit bis zum Fötus vordringen, steigt das Risiko einer Frühgeburt. 

Studien belegen, dass das Risiko einer Frühgeburt oder eines untergewichtigen Neugeborenen bei Frauen mit einer Parodontitis siebenmal höher als bei Frauen mit gesunden Zähnen und gesundem Zahnfleisch ist. Allein in den USA schätzt man, dass bis zu 45.000 Frühgeburten (das sind 18% aller Frühgeburten) auf eine parodontale Erkrankung zurückzuführen sind.

 

Geringer Speichelfluss hemmt Reinigungsfähigkeit

Zudem wissen wir um die Veränderung des Mundmilieus in der Schwangerschaft unter anderem wegen des geringeren Speichelflusses und einer niedrigeren Reinigungsfähigkeit des Speichels. Das durch die Schwangerschaft bedingte Wachstum des Zahnfleisches bewirkt eine größere Anhaftung von Keimen, so dass sich genau die Keime in hoher Anzahl hinter dem Zahnfleisch finden, die Probleme bei der Schwangerschaft bereiten können.

Bakterien, die bis in die Plazenta eindringen, sind z. T. äußerst aggressiv und lösen vermutlich Stress- und Abwehrreaktionen beim Fötus aus. Das Gehirn empfängt Warnsignale einer Immunreaktion oder Entzündung – es kann zu vorzeitigen Wehen kommen, die eine Frühgeburt verursachen. Alarmierend ist zudem der signifikante Zusammenhang zwischen Parodontitis und Wachstumsstörungen des ungeborenen Kindes im Mutterleib. Grund hierfür könnte die Reaktion des Fötus auf die eindringende Bakterienflut sein: Der kleine Körper ruft eine Art Aufnahmestopp aus.

Neben einer Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt ist jede werdende Mutter daher gut beraten, ihre Mundhygiene mit noch größerer Sorgfalt zu betreiben. Im Idealfall gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Gynäkologe. Auch während der Schwangerschaft empfiehlt sich ein zweimaliger Zahnarztbesuch, vorzugsweise im ersten und im letzten Drittel der Schwangerschaft. Letztendlich sollten Frauen, die eine Schwangerschaft planen, ihren Zahn- und Mundgesundheitszustand eingehend untersuchen lassen.

  

Mutter-Kind-Infektionen vermeiden

 

Auch nach der Geburt gilt: Mütter sollten keine kariösen Zähne im Mund haben, denn die darin enthaltenen „Kariesbakterien“ (Stretococcus mutans) werden auf das Baby übertragen, wenn die Mutter den Breilöffel oder Schnuller ableckt. Das gleiche gilt für den Vater. Ohne es zu wollen, sind es also meist die Eltern, die ihr Kind mit den Karies auslösenden Streptococcus-mutans-Bakterien infizieren. Folgt später eine schlechte Mundhygiene mit belasteten Zahnbürsten, ist eine Re-Infektion auch beim Kind wahrscheinlich und die Entstehung von Karies wird begünstigt.