Bei Parodontitis Keime meiden...

 

... denn Sie haben immerhin eine offene Wunde im Mund, durch die Keime in die Blutbahn übertreten können. Halten Sie Keime so weit wie möglich von den betroffenen Zahnfleischstellen fern. Nur weil diese offenen Wunden im Mund nicht schmerzen, bedeutet das nicht, dass sie keine Schäden im Körper verursachen.

 

Was kann ich bei Parodontitis tun?

Unternehmen Sie am besten alles, was Ihre Mundhygiene verbessert: Putzen Sie regelmäßig die Zähne, reinigen Sie auch die Zahnzwischenräume mit Interdentalbürste oder Zahnseide. Wechseln Sie nicht nur regelmäßig die Zahnbürste, sondern desinfizieren Sie sie - vor allem bei chronischer oder besonders aggressiver Parodontitis - am besten täglich. Mit dieser Maßnahme für perfekte Mundhygiene verhindern Sie die tägliche Wiederansteckung mit potentiell krank machenden Keimen und unterstützen das mikrobiologische Gleichgewicht in der Mundhöhle. Bedenken Sie: Nur weil die Keime auf Ihrer Zahnbürste vielleicht (!) Ihre eigenen Keime sind, sollten Sie diese nicht freiwillig immer wieder in die blutige Wunde im Zahnfleisch reiben.

Antiseptische Mundspüllösungen dagegen verringern zwar die Menge der pathogenen (krank machenden) Keime in der Mundhöhle, zugleich aber auch die Keime, die für eine funktionierende Infektionsabwehr notwendig sind. Seien Sie zumindest mit dem langfristigen Gebrauch von chlorhexidinhaltigen Gurgellösungen und chlorhexidinhaltigen Mundspülungen und fragen Sie im Zweifel Ihren Zahnarzt um Rat. Neben der Keimreduzierung ist es wichtig, das entzündete oder gereizte Zahnfleisch nicht zusätzlich zu schädigen, wie es beispielsweise durch zu heftiges Putzen geschehen  kann. Dennoch sollten Zähne und Zahnfleisch gründlich gereinigt werden, vorzugsweise mit einer Zahnbürste mit weichen Borsten.

 

Moderne Parodontitistherapie

In der Mundhöhle wimmelt es vor Bakterien, aber nur wenige der geschätzt 600-700 Bakterienarten werden mit Parodontitis in Zusammenhang gebracht. Gelingt es bestimmten Mundkeimen, "die Oberhand" in der Mundflora zu gewinnen, steht einer Zerstörung des Zahnhalteapparates nichts mehr im Wege. Ziel der Keimbestimmung ist deshalb, die Keime in den Zahnfleischtaschen zu identifizieren und ihre Konzentration zu messen. Dabei wird das bakterienhaltige Sekret aus der Zahnfleischtasche mittels Papierspitzen entnommen und in einem darauf spezialisierten Labor untersucht. Das Ergebnis ermöglicht dem Zahnarzt, Ihnen ein Antibiotikum mit dem passenden Wirkspektrum zu verordnen, das genau auf die nachgewiesenen Keime abzielt.

Bei der photodynamischen Therapie (PDT) ist es dagegen das Ziel, die Bakterien in den Zahnfleischtaschen abzutöten, ohne ein Antibiotikum einzusetzen. Speziell durch zu häufige und ungezielte Antibiotikagabe können resistente Bakterienstämme (bekannt ist z. B. "MRSA") erzeugt werden. Die photodynamische Therapie basiert auf dem Zusammenspiel eines Gels ("Photosensitizer") mit einem speziellen Licht. Dabei lagert sich das Gel an der Oberfläche der Bakterien an, und das einstrahlende Licht wird absorbiert. Die so aufgenommene Energie lässt Radikale entstehen, die ihrerseits augenblicklich die Zellwände und andere Strukturen der schädlichen Mikroorganismen zerstören.

Außerdem können immer mehr Zahnarztpraxen eine Laserbehandlung auch im Rahmen der Parodontaltherapie durchführen. Dabei setzt man den Laser im Anschluss an die Reinigung und Glättung der Wurzeloberflächen (der "Wurzelkürettage") ein und macht sich dessen sterilisierenden Effekt zu Nutze. Der Erfolg besteht nicht nur in der Keimreduktion in den Zahnfleischtaschen. Auch die postoperativen Schmerzen reduzieren sich. Mit dem Laser lässt sich auch wucherndes Weichgewebe an der Innenseite der Zahnfleischtasche entfernen und glätten, so dass sich in der Folge die Taschentiefe verringert.

Eine zunehmende Zahl von Zahnärzten nutzt die Ozontherapie zur Keimbekämpfung bei der Parodontitistherapie. Das verwendete medizinische Ozon ist immer ein Gemisch aus reinstem Ozon und reinstem Sauerstoff. Es hat eine ausgeprägte bakterientötende, pilztötende und vireninaktivierende Wirkung und kann deshalb auch gut zur Wurzelkanal-Desinfektion oder Sterilisation von Zahnflächen verwendet werden. Bei der Kariesbehandlung von kleinen Defekten (Initialkaries) wird Ozon direkt auf den befallenen Zahn aufgetragen, um die Kariesbakterien abzutöten - es wird keine Zahnsubstanz entfernt.  Außerdem wird teilweise ozonisiertes Wasser sowohl zur Behandlung von Parodontitis und Gingivitis als auch zur antimikrobiellen Mundspülung eingesetzt.

  

Parodontitis schwächt Immunsystem

Lange Zeit wurden die Gefahren einer unbehandelten Parodontitis unterschätzt. Heute weiß man: Über die Blutbahn können Keime aus den Entzündungen des Mund-Rachenraumes an jede Stelle des Körpers gelangen. Bei immungeschwächten Menschen (alte Menschen, chronisch Kranke, Kleinkinder, Schwangere, Diabetiker, Menschen unter Chemotherapie oder Strahlentherapie, Menschen mit Autoimmunerkrankungen, Transplantationspatienten) können Krankheitserreger schwere Allgemeininfektionen verursachen.

Bakterien, die durch die tägliche Zahnreinigung ins Blut gelangen, können Entzündungen an den Herzklappen verursachen und einen dauerhaften Herzschaden nach sich ziehen. So weisen Studien z. B. einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose nach. In der Folge ist das Risiko für einen Herzinfarkt zweimal und für einen Schlaganfall 2,8mal so hoch. Parodontitis scheint ein ebenso großer Risikofaktor für koronare Herzkrankheiten ist wie erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck oder Übergewicht! Parodontitis erhöht Studien zufolge auch das Risiko für chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma, chronischer Bronchitis oder Lungenemphysem.

Eine chronische Entzündung im Mund-Rachenraum begünstigt auch die Entstehung weiterer Infektionsherde im Körper, weil sie das Immunsystem des ganzen Körpers schwächt. Umgekehrt können unerkannte Entzündungen an anderer Stelle im Körper ebenfalls zu Entzündungen im Mund-Rachenraum führen. Zahnfleischerkrankungen wie Parodontitis und Gingivitis bekommen also ein ganz neues Gewicht in der Betrachtung der Gesamtgesundheit eines Patienten.

 

Alarmzeichen Zahnfleischbluten

Häufiges Anzeichen einer Zahnfleischentzündung: Das Zahnfleisch blutet, tut aber meist nicht weh. Damit die Entzündung ausheilen und das Bluten abklingen kann, müssen die bakteriellen Beläge vor allem am Zahnfleischsaum möglichst vollständig beseitigt werden, am besten mit einer weichen und sanften Zahnbürste. Wenn Sie Zahnfleischbluten haben, ist die Keimreduzierung auf der Zahnbürste besonders wichtig, da Zahnbürstenkeime unmittelbar über die offenen Wunden im Mund in den Blutkreislauf übertreten können.

Am bekanntesten ist das häufige Zahnfleischbluten bei Diabetes, das eine drohende Parodontitis ankündigt und deshalb unbedingt als Warnzeichen ernst genommen werden sollte. Auch Bluterkrankungen, Immunsupression bei organtransplantierten Patienten, den Körper sehr stark belastende Therapien und Medikamente wie Chemotherapie, Strahlentherapie oder hohe Dosen von Kortison und Hormonbehandlungen können ebenfalls anfälliger für eine Parodontitis und andere Munderkrankungen machen.

 

Zahnfleischrückgang

Häufig kommt es zu Zahnfleischproblemen, beziehungsweise einer Rückbildung des Zahnfleischs nach entzündlichen Prozessen (Gingivitis, Parodontitis) oder durch Verletzung der Gingiva an einzelnen Zähnen, z. B. durch falsche Zahnputztechniken (meist durch horizontales Schrubben oder durch zu viel Druck). Zahnfleischschwund kann nicht mehr rückgängig gemacht, sondern höchstens durch Gewebetransplantation gebessert werden. Die durch Zahnfleischrückgang freiliegenden Zahnhälse sind besonders empfindlich gegenüber Karies sowie äußeren Reizen (Geschmack, Temperatur) oder Berührungen und bedürfen daher besonderer Pflege.

 

Risikofaktoren einer Parodontitis oder Gingivitis

Am bedeutsamsten für die Entstehung einer Parodontitis ist die Anwesenheit bestimmter Bakterien. Es gibt aber noch eine Vielzahl weiterer Risikofaktoren, die die parodontale Gesundheit negativ beeinflussen können:

  • allgemeine Abwehrschwäche, insbesondere bei einer Immunsuppression
  • Bruxismus (zumeist stressbedingtes Zähneknirschen)
  • ungünstig lokalisierte Piercings im Mundraum (Lippe, Lippenbändchen, Zunge)
  • während oder nach Chemotherapie oder Strahlentherapie

Neben einer mangelnden Zahn- und Mundhygiene haben nicht zuletzt unsere Lebensgewohnheit, eine Reihe von Krankheiten sowie die Einnahme bestimmter Medikamente Einfluss auf das Entstehen und das Fortschreiten einer Zahnfleischerkrankung. So leiden Raucher mehr unter einer Parodontitis, weil sie eine verzögerte Wundheilung haben. Stress verschlimmert ebenfalls eine Parodontitis. Schwere Formen der Zahnfleischerkrankung verlaufen schubweise und durch großen Stress kann ein neuer Schub ausgelöst werden (ähnlich wie bei Herpeserkrankungen). Auch eine ungesunde Ernährung, Diabetes, eine Schwangerschaft und sogar ein Partner mit Parodontose erhöhen das Risiko einer Zahnfleischerkrankung.

Meiden Sie diese Risikofaktoren: Achten Sie auf eine sorgfältige Zahnpflege und Mundhygiene, ernähren Sie sich gesund und hören Sie im Idealfall mit dem Rauchen auf. Gehen Sie regelmäßig zum Zahnarzt und lassen Sie sich wenn möglich regelmäßig die Zähne professionell reinigen. Im Rahmen dieser professionellen Zahnreinigung gibt Ihre Prophylaxehelferin oder Dentalhygienikerin wertvolle Tipps, die sich auf Ihr individuelles Putzverhalten beziehen. Besprechen Sie mit ihr oder dem Arzt auch ernsthafte Erkrankungen wie Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“), eine Transplantation, Krebs oder eine Immunsuppression und informieren Sie beide über aktuelle Therapien, die auf den ersten Blick nichts mit den Zähnen zu tun haben.

Schließlich treten Zahnfleischerkrankungen tatsächlich manchmal familiär gehäuft auf. Es gibt einen Gen-Test (man nimmt einen Abstrich von der Mundschleimhaut), mit dem man die erblich bedingte Anfälligkeit für Zahnfleischerkrankungen feststellen kann. Ist dieser Gen-Test positiv, sollten diese Patienten langfristig eine besonders gute Mundhygiene durchführen, häufiger zum Zahnarzt zur Kontrolle und zur Prophylaxe kommen.

 

Entstehung von Gingivitis, Parodontitis und Parodontose

Eine Gingivitis (Zahnfleischentzündung) wird durch Stoffwechselprodukte von Bakterien (Plaque) ausgelöst, die den Zahnfleischsaum besiedeln. Wichtigstes Anzeichen sind Schwellung und Bluten des Zahnfleischs. Bakterien können dank dieser offenen Wunden besonders leicht in den Blutkreislauf übertreten. Deshalb sollten Sie jetzt besonders auf Ihre Mundhygiene achten und auch die Hygiene von Zahnbürste & Co im Blick behalten.

Wird eine Zahnfleischentzündung nicht bemerkt, kann sie auf das Zahnbett übergreifen. Dabei kommt es zu einer Taschenbildung zwischen Zahnfleisch und Zahn, die zum Abbau des Kieferknochens, führt, in dem der Zahn verankert ist. Dieser Knochenabbau, der nicht rückgängig zu machen ist, führt zunächst zur Lockerung später sogar zum Ausfall des Zahns.

Eine Parodontitis ist die entzündliche Zerstörung des Zahnhalteapparates, wohingegen die Parodontose eine entzündungsfreie Rückbildung des Zahnhalteapparats bezeichnet. Unbehandelt führt eine Parodontitis zu Zahnlockerung und schließlich zum Zahnverlust. Sie geht einher mit dem Auftreten bestimmter Bakterien im Zahnbelag. Im Gegensatz zur Gingivitis (der Zahnfleischentzündung) sind die Parodontitis-Schäden nicht völlig reparabel.