Mundgeruch - ein vermeidbares Problem


Schlechter Atem entsteht vor allem im Mundraum und meist durch Beläge auf der Zunge und auf der Mundschleimhaut. Weit seltenere Ursachen sind Erkrankungen des Hals-Nasen-Ohren-Raums oder Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt, Pilzbefall im Magen o. ä. Die Vermeidung von Mundgeruch - ein weiteres Argument für perfekte Mundhygiene.

Habe ich Mundgeruch? 

So können Sie selbst Ihren Atemgeruch überprüfen: Reinigen Sie die Backenzähne mit Zahnseide und riechen Sie an der Zahnseide. Eine übel riechende Zahnseide lässt auf Atemgeruch schließen. Riecht die Zahnseide auch beim Fädeln an den Frontzähnen unangenehm, dann riecht sehr wahrscheinlich auch der Atem.

Mundgeruch zeigt einen zahnmedizinischen Pflegenotstand an, denn er entsteht durch ein erhöhtes Bakterienniveau in der Mundflora. Leidtragende sind vor allem Zahnfleisch und Zähne. Wer gegen Mundgeruch vorgeht, schlägt also zwei Fliegen mit einer Klappe und fördert fast immer seine Mundgesundheit.

Atemgeruch hatte schon in der griechischen Mythologie weitreichende Folgen: Weil Aphrodite ihre Heiligtümer auf Lemnos vernachlässigt sah, strafte sie alle Frauen der Insel mit übelriechendem Atem. Als Folge blieben ihnen ihre Gatten fern und vergnügten sich stattdessen mit thrakischen Sklavinnen! Die eifersüchtigen Gattinnen brachten daraufhin in einer Nacht alle männlichen Bewohner der Insel um. Nicht immer hat Atemgeruch so schwerwiegende Folgen, aber ein Tabuthema ist er allemal. Dabei kann man mit Mundhygiene sehr viel gegen Atemgeruch tun.

 
Atemgeruch durch Pilzerkrankung im Magen?

Viele Menschen denken immer noch zunächst an eine systemische Erkrankung wie z. B. eine Pilzerkrankung im Magen, wenn Sie Mundgeruch bei sich feststellen. Experten gehen dagegen davon aus, dass bei 85% der Patienten die Ursache für den Mundgeruch direkt im Mund- oder Rachenraum zu suchen ist und nur ca. 15% der Halitosis-Fälle auf eine Pilzerkrankung o. ä. im Magen zurückzuführen sind.

Häufige Gründe für einen riechenden Atem sind:
•    allgemein: mangelnde Mundhygiene oder Zungenhygiene (Zungenschaber!)
•    Entzündungen der Mundschleimhaut oder des Zahnfleischs
•    Entzündungen des Zahnhalteapparats (Parodontitis)
•    Entzündungen am Gaumen oder an der Zunge
•    andere Infektionen oder Pilzbefall im Mund
•    Infektionen im Nasen-Rachenraum
•    Bildung von Zahnfleischtaschen
•    Alkoholgenuss und Rauchen
•    trockener Mund
•    Karies

 

Da sich 60% der Bakterien im Mundraum auf dem Zungenrücken befinden, spielt der Zungenbelag (vor allem am Zungengrund) bei der Entstehung von Atemgeruch eine wichtige Rolle. Weitere typische Schlupfwinkel von geruchsbildenden Bakterien in der Mundhöhle sind kariöse Zähne, überstehende Kronen- und Füllungsränder, lockere Kronen und Brücken, ungepflegter herausnehmbarer Zahnersatz, nicht vollständig durchgebrochene Weisheitszähne und besonders eng stehende Zähne.

Im Mundraum leben gut 300 Bakterienarten, etwa 80 davon sind für die unangenehme Geruchsbildung verantwortlich. Der Atemgeruch entsteht durch Schwefelverbindungen, die bei der Zersetzung von Eiweißen in der Mundhöhle freigesetzt werden. Zu den aktivsten Produzenten übel riechender Verbindungen zählen die Bakterien, die auch Gingivitis und Parodontitis verursachen. So besteht hier ein direkter Zusammenhang zwischen Schweregrad der Erkrankung und Ausmaß des Atemgeruchs. Verstärkt wird ein riechender Atem durch reduzierten Speichelfluss und Mundtrockenheit. Die Ursachen für einen trockenen Mund sind z. B. langes Sprechen, Mundatmung, Schnarchen oder Stress.

 

 

Riechender Atem durch zu wenig Speichel

Denken Sie daran, dass am Morgen viele Menschen einen schlechten Atem haben. Dies liegt am Schlafen mit offenen Mund und dem verringerten Speichelfluss in der Nacht, wodurch weniger Bakterien abtransportiert werden. Häufig ist uns auch bewusst, dass wir mit einem trockenen Mund aufwachen.

Häufig verringert auch die Einnahme von Medikamenten den Speichelfluss, so dass die Konzentration von Keimen im Speichel stark ansteigt. Daneben kommen (eher verstärkend) systemische Erkrankungen wie Krebs, Diabetes, Stoffwechselerkrankungen, Infektionen der Atemwege, Störungen von Leber und Niere in Frage, die normalerweise ebenfalls mit Medikamenten behandelt werden. Wenn die Speichelmenge gar nicht mehr ausreicht, kann ein Speichelersatzmittel („künstlicher Speichel“) die Funktion des Speichels übernehmen.


Wie kann ich Mundgeruch vorbeugen?

Neben der Vermeidung von Alkohol oder Knoblauch ist eine intensive Mundhygiene noch immer das wirksamste Mittel gegen einen Atemgeruch: Reinigen Sie gründlich Ihre Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten und reinigen Sie regelmäßig Ihre Zunge mit dem Zungenreiniger. Der Zungenreiniger/Zungenschaber bzw. die Zungenbürste sollten anschließend sorgfältig abgespült werden.

Neben der Desinfektion der Zahnbürste empfiehlt sich auch die Desinfektion des Zungenreinigers, denn sonst re-infiziert man sich ggfs. genau mit den Keimen aus dem Mund, die man ja gerade bekämpfen möchte. Auch Zahnersatz sollte täglich gereinigt und desinfiziert werden, um Mundhygiene zu verbessern und Atemgeruch vorzubeugen.

Wenn Sie unter dauerhaftem Atemgeruch leiden, der sich nicht durch Zähneputzen und Reinigen der Zähne mit Zahnseide verbessert, besuchen Sie Ihren Zahnarzt oder Ihre Dentalhygienikerin, um eine Untersuchung durchführen zu lassen. Der Zahnarzt oder die Dentalhygienikerin kann Ihnen sagen, ob eine unzureichende Mundhygiene, eine Zahnfleischerkrankung, ein chronisch trockener Mund oder eine andere Erkrankung die Ursache Ihres schlechten Atems darstellt. Gehen Sie also regelmäßig zum Zahnarzt und auch zur professionellen Zahnreinigung (PZR).

 

Das Halimeter - ein "Mundgeruchmesser"

Objektiv messbar ist Mundgeruch mit einem Halimeter, über das mittlerweile immer mehr Zahnärzte verfügen. Das Halimeter misst die Konzentration flüchtiger Schwefelverbindungen in einer Atemluftprobe. Diese wird gewonnen, indem ein Strohhalm in den Mund eingeführt und über eine Luftpumpe einem elektrochemischen Sensor zugeführt wird. Je höher die Konzentration an flüchtigen Schwefelverbindungen in der Atemluft, desto stärker die Halitosis. Das Absinken der Messwerte im Verlauf der zahnärztlichen Behandlung ist die objektive Bestätigung des Therapieerfolges und lässt den Betroffenen auch in Gegenwart anderer wieder entspannt durchatmen.

Viele Patienten, die befürchten, dass sie Atemgeruch haben, denken dies zu Unrecht. Diese Angst vor Atemgeruch wird als Halitophobie bezeichnet. Wenn Sie an Halitophobie leiden, lassen Sie sich zahnärztlich beraten und eine Messung mit dem Halimeter durchführen. Selbst wenn Sie tatsächlich Mundgeruch haben, lässt sich dieser in den allermeisten Fällen durch eine zahnärztliche Behandlung und mit perfekter Mundhygiene behandeln. Vor der Halimetermessung müssen Sie i. d. R. einen speziellen Mundgeruchsfragebogen ausfüllen und dürfen 4 Stunden vorher weder essen noch trinken noch Mundhygiene betreiben, um das Ergebnis nicht zu verfälschen. 


Was nicht gegen Atemgeruch hilft

Oft neigen Betroffene zum Überdecken des Geruchs durch den Dauerkonsum von Pfefferminzbonbons, Kaugummi, Eukalyptus- oder Mentholpastillen oder die Verwendung kosmetischer Mundwasser - diese Maßnahmen lösen das Problem aber nicht wirklich.