Lichen ruber

Lichen ruber planus – auch Knötchenflechte genannt – ist eine nicht ansteckende, chronisch entzündliche, schubartig verlaufende Erkrankung der Haut und/oder Nägel und der Schleimhäute. Im Bereich der Haut ist sie gekennzeichnet durch juckende rötlich-livide, matt-glänzende Papeln, die sich häufig im Bereich der Knöchelinnenseite befinden. Im Bereich der Schleimhäute (Mukosa) spricht man von lichen ruber mucosae oder „oraler Knötchenflechte“.

Bei ca. 30 Prozent der Patienten, die einen Hautbefall aufweisen, ist auch die Mundschleimhaut betroffen. Diese kann jedoch häufig auch alleine befallen sein. Patienten mit einem genitalen Lichen planus weisen in ca. 20 Prozent der Fälle eine Mundschleimhautmanifestation auf. Diese Patienten klagen meist über brennende rötliche Veränderungen der Mundschleimhaut, häufig mit einer weißlichen Streifung, der sogenannten Wickham-Streifung. Das Vorkommen der oralen Form liegt bei ca. ein bis zwei Prozent. Frauen scheinen häufiger befallen zu sein, das typische Alter liegt zwischen 30 und 60 Jahren.

In bis zu 17 Prozent der Fälle findet man bei oralem Lichen auch gleichzeitig einen Pilzbefall, was in manchen Fällen die Diagnostik erschwert. In diesen Fällen sollte nach Therapie der Pilzerkrankung eine erneute Biopsie entnommen werden. Patienten mit einem Lichen ruber mucosae sollten regelmäßig kontrolliert werden, da es zu einer malignen Entartung kommen kann.

Auf Alkohol- und Nikotinkonsum sowie auf den Verzehr von gewürzten Speisen als auch Zitrusfrüchten sollte verzichtet werden. Ferner sollten lokale Reize wie beispielsweise scharfe Füllungs- oder Prothesenränder ausgeschaltet und die Mundhygiene optimiert werden. Sollte es zu einer Verschlechterung des Befundes kommen, muss nochmals eine Biopsie durchgeführt werden, um die Transformation in ein Plattenepithelkarzinom frühzeitig zu erkennen. Patienten mit einer oralen Lichenform bedürfen der regelmäßigen Schleimhautkontrolle.

Lichen ruber - Fehler des Immunsystems?

Es wird vermutet, dass es sich bei  Lichen ruber planus um eine Autoimmunerkrankung handelt – eine Krankheit, bei der sich das Immunsystem "irrtümlich" gegen eigene Strukturen richtet. Der Körper greift sich quasi selbst an. Aufgrund dieser genetischen Veranlagung kann der Kontakt mit bestimmten Auslösern wie Viren – vor allem Hepatitis C-Viren – oder manchen Medikamenten zu einem Lichen ruber führen. Beispielsweise im Verdacht stehen Antibiotika, ACE-Hemmer, Rheumamittel und Antidiabetika. Durch äußere Einflüsse können weitere  Krankheitsherde im Mund entstehen oder verstärkt werden. Neben mechanischen Reizen wie schlecht sitzenden Zahnprothesen, oder dem Konsum von Zigaretten und Alkohol kann auch eine unzureichende Mundhygiene die Symptome verschlimmern.

Befällt der Lichen ruber planus die Mundschleimhaut, sieht man typischerweise milchig-weiße Linien, die netzförmig angeordnet sind. Diese finden sich in etwa 80 Prozent der Fälle an der Wangenschleimhaut, zu etwa 50 Prozent an der Zunge und seltener auch im Bereich von Lippenrot, Gaumen oder Zahnfleisch. Darüber hinaus können sich vor allem am Zungenrücken pflastersteinartige weißliche Knötchen bilden.

Anfangs bemerken die Betroffenen die Veränderungen häufig gar nicht. Wird die Entzündung stärker, können jedoch Brennen und Schmerzen hinzukommen – vor allem beim Genuss saurer, scharf gewürzter oder besonders fester Lebensmittel wie Kekse. Manche Betroffene klagen außerdem über ein „pelziges Gefühl“ und über Trockenheit der Mundschleimhaut. Etwa 40 Prozent der Patienten leiden an oberflächlichen Substanzdefekten (Erosionen) der Schleimhaut mit besonders stark ausgeprägten Beschwerden.

Bei Patienten mit weniger typisch ausgeprägten Veränderungen an Haut oder Schleimhaut hilft die feingewebliche Untersuchung einer Gewebeprobe (Biopsie) unter dem Mikroskop. Wenn der Hautarzt vermutet, dass der Lichen ruber durch den fortgesetzten Kontakt mit einem Allergieauslöser unterhalten wird, kann auch ein Allergietest am Rücken sinnvoll sein. Außerdem fragt der Hautarzt den Patienten, ob ein Medikament als Auslöser des Lichens ruber in Betracht kommt. Eine Virus-Hepatitis – insbesondere eine chronische Hepatitis C – kann das Auftreten eines Lichens ruber begünstigen. Deshalb sollte sicherheitshalber eine Virus-Hepatitis ausgeschlossen werden. Das geschieht mit Hilfe einer Blutuntersuchung.

Besteht die chronische Entzündung im Schleimhautbereich über viele Jahre oder gar Jahrzehnte, kann sich in etwa ein bis zwei Prozent der Fälle an den betroffenen Stellen ein Krebs (Karzinom) der Schleimhaut entwickeln. Eine konsequente Therapie hilft, die Entzündung zu unterdrücken. Dies befreit den Betroffenen nicht nur von seinen Beschwerden, sondern kann ihn auch davor schützen, dass sich auf dem Boden des Lichens ruber mucosae ein Krebskarzinom entwickelt.

Mundhygiene schützt vor (Re-)Infektionen

Für Viren und Bakterien ist das angegriffene Schleimhautgewebe ein idealer Nährboden, auf dem sie sich vermehren können. Deshalb ist es für Betroffene besonders wichtig, auf eine ganzheitliche Mundhygiene zu achten, damit die Mukosa keinen unnötigen Belastungen wie (Re-)Infektionen ausgesetzt ist. Antiinfektive Produkte zur Verbesserung der Mundhygiene wie Dentalsprays und Mundspülungen sollten dabei nicht nur antibakteriell, sondern auch viruzid und fungizid wirken, um weitere Infektionen zu vermeiden. Weiterhin sollte insbesondere bei Mundspülungen darauf geachtet werden, dass die natürliche Mundflora (mit den sog. „gute Keimen“) nicht in Mitleidenschaft gezogen wird.

Menschen mit Lichen ruber der Mundschleimhaut verzichten besser auf Nikotin, Alkohol, scharfe oder saure Speisen – das könnte die erkrankten Stellen zusätzlich reizen. Falls im Allergietest eine Überempfindlichkeit (Allergie) auf bestimmte Stoffe nachgewiesen wurde, empfiehlt es sich, die betreffenden Substanzen zu meiden. Sicherheitshalber sollten Betroffene auch ihren Zahnarzt bitten, zu überprüfen, ob eventuell vorhandene Zahnprothesen die Schleimhaut zusätzlich irritieren. Wenn die Veränderungen an der Mundschleimhaut stark brennen, kann vor den Mahlzeiten mit einer örtlich betäubenden Substanz behandelt werden. Solche Mittel kommen in Form einer Spüllösung oder eines Mundgels zum Einsatz.

Eine innerliche Therapie kann auch dann sinnvoll sein, wenn ein Lichen ruber zu ausgeprägten Veränderungen an Nägeln, Schleimhäuten oder Haaren führt. Insbesondere bei einem Lichen ruber mucosae mit oberflächlichen Schleimhautdefekten ist eine rein örtliche Behandlung in der Regel nicht ausreichend. Neben der vom Arzt verordneten Behandlung sollte der Patient darauf achten, dem Lichen ruber möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Neben dem Verzicht auf Reizfaktoren wie Rauchen oder Alkohol bleibt dabei eine gute Mundhygiene unverzichtbar.