Mundhygiene bei MRSA-Befall

Die Wahrscheinlichkeit, sich in Deutschland mit multiresistenten Keimen wie MRSA anzustecken, ist eigentlich nicht sehr groß. Außerhalb von Krankenhäusern und Altenheimen infizieren sich hierzulande nur sehr wenige Menschen mit den hartnäckigen Bakterien. Dennoch raten Mediziner zur Wachsamkeit – vor allem, wenn jemand in Länder reist, in denen MRSA auch in der Bevölkerung viel stärker verbreitet ist als hierzulande, etwa in den USA, Großbritannien oder in Japan.

 

Mundhygiene und multiresistente Erreger

Die die antiseptische Behandlung der Zahnbürste bzw. der Gebrauch von Einmalzahnbürsten während einer MRSA-Sanierung schon lange von maßgeblichen Institutionen wie dem Robert-Koch-Institut oder der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene empfohlen wird, gehen wir in der Folge genauer auf MRSA ein.

MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Stämme)

In Deutschland gehört MRSA zu den häufigsten Ursachen für Krankenhausinfektionen (nosokomiale Infektionen; ca. 40% der Fälle) und kann eine ganze Reihe klassischer Krankenhausinfektionen wie Wundinfektionen, Harnwegsinfektionen, Lungenentzündungen und Knochenentzündungen auslösen.

 

In Deutschland liegt die Inzidenz in Krankenhäusern bei rund 15 bis 20 %, auch bei ca. 2,5 % aller Bewohner von Alten- und Pflegeheimen können MRSA isoliert werden. Ein Großteil der MRSA Infektionen entstehen endogen, die Patienten infizieren sich selbst mit MRSA, den die selbst fast immer im Nasenvorhof, aber auch auf der Haut oder der Kleidung tragen. 20% der MRSA-Träger haben auch einen besiedelten Rachen. Die endogene Infektion passiert dann vor allem im Krankenhaus, da hier große Eintrittspforten geschaffen werden (z.B. OP-Wunden oder Gefäßkatheter).

MRSA werden vor allem in der Intensivmedizin zu einem immer größeren Problem. Besonders gefährliche Bereiche sind hier chirurgische Intensivstationen, Einheiten für die Betreuung Neugeborener und Einheiten für die Betreuung Brandverletzter. Aber nur die Hälfte aller MRSA wird nosokomial erworben, was ein wichtiger Hinweis auf die Ausbreitung durch Verlegung auf andere stationäre Einheiten wie Pflegeeinrichtungen ist. Ein MRSA-Patient sollte sich einer sog. MRSA-Sanierung unterziehen und muss entsprechend medizinisch behandelt werden.

 Folgende Faktoren begünstigen die Besiedelung und Infektion mit MRSA:

  • MRSA bereits in der Krankengeschichte nachgewiesen
  • lange bzw. häufige Krankenhausaufenthalte
  • Behandlung in Intensivpflegeeinheiten
  • Vorhandensein von Kathetern
  • häufige Behandlungen mit Antibiotika
  • Wunden (nach Operationen oder Verbrennungen sowie nicht heilende Wunden)
  • Dialysebehandlung
  • chronische Erkrankungen mit Abwehrschwäche (z. B. Zuckerkrankheit)
  • chronische Pflegebedürftigkeit
  • besondere Berufe (z. B. Arbeit in medizinischen Einrichtungen sowie in der Tierzucht)

MRSA in der Altenpflege

Im Altenpflegeheim sind die Übertragungsmöglichkeiten der resistenten Bakterien denen im Krankenhaus vergleichbar, so dass analoge Maßnahmen der Primärprävention wie im Krankenhaus getroffen werden sollten. So wurden in den USA Prävalenzen zwischen 3 und 53 % festgestellt. In Deutschland variiert die Prävalenz von 0 bis 2,4 %.

Da die Situation in einigen Ländern zeigt, welche Prävalenz die MRSA-Kolonisation in Alten- und Pflegeheimen ohne geeignete Intervention erreichen kann, sollte nach Auffassung der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) ein(e) in Altenpflegeheimen identifizierte(r) Keimträger(in) in Verbindung mit kurzfristiger Isolierung in seinem Wohnbereich antiseptisch saniert werden, um eine MRSA-Weiterverbreitung zu verhindern (sog. MRSA-Sanierung).

Mundhygiene während einer MRSA-Sanierung

Während der MRSA-Sanierung sollte der Patient seine Zahnbürste vor jedem Putzvorgang desinfizieren oder Einmalzahnbürsten verwenden, um die Re-Infektion mit den resistenten bzw. multiresistenten Bakterien zu verhindern.  Eine ggfs. vorhandene Zahnprothese wird herausgenommen und mit einem antiseptischen Dentalspray besprüht. Nach erfolgter Einwirkzeit  wird die Prothese wie gewohnt gereinigt, abgespült und kann danach verwendet werden. Der Patient sollte auch mit einer antiseptischen Mundspülung gurgeln. Anschließend sollten die Mundpflegeutensilien (Prothesenbecher, Zahnputzbecher etc.) desinfiziert werden.

Ursachen der Multiresistenz

Multiresistenz von Bakterien gegen Antibiotika stellt ein immer größer werdendes Problem dar. Verschiedene Ursachen führen zu einer Zunahme der Multiresistenz:

 Häufiger oft unnötiger Einsatz von Antibiotika: Es werden Antibiotika bei viralen Infekten verschrieben, obwohl sie hier gar nicht helfen. Durch Mutationen zufällig gegen das eingesetzte Antibiotikum resistente Bakterien können sich gegenüber den nicht-resistenten Bakterienstämmen besser behaupten und schneller vermehren.

Einsatz von Antibiotika in der Lebensmittelindustrie: Hier werden häufig Antibiotika dem Tierfutter beigemischt, um den Ertrag zu steigern. Dabei sind viele dieser Antibiotika verwandt mit den in der Humanmedizin verwendeten.

Nicht testgerechter oder indikationsgerechter Einsatz von Antibiotika: Es werden oft hochwirksame so genannte Breitspektrum-Antibiotika bei bakteriellen Infekten eingesetzt, bei denen z. B. noch das Penicillin wirksam ist. Durch diesen breiten Einsatz hochwirksamer Antibiotika wird wiederum die Selektion von multiresistenten Bakterien gefördert. Im Ernstfall ist dann möglicherweise später dieses hochwirksame Medikament nicht mehr wirksam.

Unzuverlässige Medikamenteneinnahme (schlechte Compliance) des Patienten: Dadurch werden Erreger nur teilweise abgetötet, die überlebenden Bakterien oder Viren sind oft diejenigen mit einer erhöhten natürlichen Resistenz.

 

 

Weiterführende Literatur

 

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