Herzerkrankungen und Parodontitis

 

Gerade jüngere Patienten mit schwerer Parodontitis weisen häufiger Störungen Herzklappenfunktion auf. Dabei werden die Bakterien aus der Mundhöhle augenscheinlich über die offene Zahnfleischwunde in das Kreislaufsystem ausgeschwemmt und dann im gesamten Körper verteilt. Oft wird die Endokardititis auch durch Plaquemikroorganismen wie Streptococcus sangui verursacht. Auch die parodontopathogenen Bakterien P. gingivalis und B. forsythus stehen im Verdacht, kardiovaskuläre Erkrankungen und Herzinfarkte zu fördern.

 

 

Zusammenhang zwischen Körper und Zähnen

Aus vertieften Zahnfleischtaschen erfolgt dauerhaft die Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe. Über die Blutbahn gelangen sie in den Körper. Und weil manche der Bakterien direkt in die Zellen der Gefäßwände eindringen, können sie schwere Erkrankungen auslösen. Zum Beispiel Endokarditis, eine infektiöse Entzündung der Herzinnenhaut. Außerdem können die Gefäße geschädigt werden, sie werden weniger elastisch und können sich nicht mehr so gut erweitern. Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt.

Nicht nur Bluthochdruck, Übergewicht oder erhöhte Blutfettwerte zählen damit zu den klassischen Risikofaktoren für Erkrankungen des Herzens. Auch die Parodontitis gehört mittlerweile dazu. Studien zufolge haben Menschen mit Entzündungen des Zahnhalteapparats ein bis 1,7-fach höheres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Aktuelle internationale Studien haben gezeigt, dass ein  enger Zusammenhang zwischen Erkrankungen des Zahnfleisches und der Herzkranzgefäße besteht. Bei 87 % der akuten Herzinfarktpatienten und bei 96 % der chronisch Herzkranken wurde eine Parodontitis festgestellt.

 

Einfache Prophylaxe

So gesehen sei eine professionelle Zahnreinigung und bei Bedarf die Behandlung einer Parodontitis durchaus ein Baustein zur Prävention von Herzerkrankungen. Entscheidend beitragen zur Gesundheit ist es, nicht zu rauchen, sich mehrmals pro Woche mindestens eine halbe Stunde zu bewegen, sich gesund zu ernähren und den Blutdruck unter Kontrolle zu halten.

Zu Verbesserung der Mundhygiene ist es wichtig auch die Zahnbürste mit einzubeziehen. Auf der Zahnbürste haften Parodontitiskeime besonders gern und gut. Durch das feuchte Milieu der Umgebung finden Sie auf den Borsten einen idealen Nährboden. Eine wirksame Bekämpfung erfolgt durch die Desinfektion der Zahnbürste mit dem anti-infect Dentalspray.

Besonderes Risiko bei künstlichen Herzklappen

Auch wenn für diese Patienten noch wenig  Untersuchungsergebnisse vorliegen, können nahe liegende Schlüsse gezogen werden. Jede Entzündung macht das Gewebe durchlässiger für Bakterien, die dann in den Blutkreislauf gelangen. Bei Herzklappenpatienten besteht nicht nur das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall, sondern das viel gefährlichere Risiko einer bakteriellen Ablagerung auf den künstlichen Klappen. Diese müssen dann unter Umständen wegen akuter Lebensgefahr operativ ausgetauscht werden.

Bei jedem zahnärztlichen Eingriff muss, auch wenn nur das Zahnfleisch untersucht wird, das Risiko der Einschwemmung von Bakterien in das Blut beachtet werden und eine Prophylaxe mit Antibiotika sollte erfolgen. Herzklappenpatienten sind darum besonders auf eine gute Mundhygiene und entzündungsfreies Zahnfleisch angewiesen. Jede Erkrankung des Zahnfleisches, aber auch der Zähne, sollte so früh wie möglich behandelt werden.

Prophylaxe ist in jedem Alter sinnvoll.

Zahnlücken schaffen Platz für Erreger

Eine Studie der schwedischen Universität Uppsala besagt, dass Menschen die nur noch wenige Zähne besitzen, besonders häufig an Herzkrankheiten sterben. Nach eigenen Angaben können schwedische Wissenschaftler anhand der Zahl der Zähne im Mund das Herzinfarkt-Risiko eines Menschen abschätzen. Ein Mensch, der weniger als zehn eigene Zähne im Mund hat, ist demnach einem sieben Mal höheren Risiko ausgesetzt, an einer Herz-Kreislaufkrankheit zu sterben, als ein gleichalter Mensch mit mindestens 25 Zähnen.

"Herz-Kreislauf-Erkrankungen, besonders Erkrankungen der Herzkranzgefäße, hängen eng mit der Zahl der Zähne zusammen", sagte Anders Holmlund vom Zentrum für Forschung und Entwicklung der schwedischen Universität Uppsala. In der jüngeren Vergangenheit haben bereits mehrere Studien einen Zusammenhang zwischen Zahnhygiene und Herzkrankheiten belegt. Die Forschung von Holmlund und seinen Kollegen Gunnar Holm und Lars Lind stellt als erste eine Verbindung mit der Zahl der Zähne her.

Erreger schaffen es in den Blutkreislauf

Mehr Zahnlücken bedeutet, dass mehr Platz für Erreger, die bei Infektionen in den Blutkreislauf gelangen und schließlich zu einer chronischen Entzündung führen können. Dies erhöht den Risikofaktor für Herzkrankheiten. Herzkrankheiten sind weltweit häufigste Todesursache: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben an ihnen jährlich mehr als 17 Millionen Menschen – Tendenz steigend.

Studie der medizinischen Hochschule Hannover

Nicht nur eine Parodontitis sondern auch eine Gingivitis kann das Risiko für eine Arteriosklerose erhöhen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der medizinischen Hochschule Hannover. Dafür waren junge Männer und Frauen unter 25 Jahren mit gesundem Gebiss und ohne kardiovaskuläre Risikofaktoren dazu angehalten worden, sich drei Wochen lang die rechte Seite der Oberkieferzähne nicht zu putzen. In diesem Zeitraum bekamen alle Probanden eine Gingivitis.

Erhöhte Entzündungsmarkerwerte

Im Blut der Teilnehmer fand sich anschließend eine deutliche Erhöhung des Entzündungsmarkers CRP. Auch das Interleukin 6, das bei Entzündungsprozessen eine Rolle spielt, konnte vermehrt nachgewiesen werden. Die Forscher sehen deshalb in der Gingivitis ein ernstzunehmendes Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen, dem allerdings durch eine gewissenhafte Mundhygiene effektiv vorgebeugt werden kann.